Bücherei

Großer Andrang beim Auftakt zu "Spektakel in Topf und Beet"


Bereits zum fünften Mal haben die Stadtbücherei Tettnang und die Anlaufstelle für Bürgerengagement ihre gemeinsame Saatgutaktion „Spektakel in Topf und Beet“ gestartet. Ziel der Initiative ist es, regionales Saatgut zu bewahren, Wissen weiterzugeben und die Vielfalt in heimischen Gärten nachhaltig zu stärken.

Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Regionales Saatgut wird kostenlos ausgegeben, von den Teilnehmenden herangezogen, angebaut und geerntet. Aus der Ernte entsteht neues Saatgut, das anschließend in die Stadtbücherei zurückgebracht wird. So entsteht ein lebendiger Kreislauf, der alte Sorten erhält und die regionale Gemüsevielfalt fördert.

Vielfalt bewahren – Verantwortung übernehmen

Zum diesjährigen Eröffnungsvortrag strömten so viele Interessierte in die Stadtbücherei wie noch nie zuvor. Der Tettnanger Saatgutexperte Patrick Kaiser führte kenntnisreich durch die vielschichtigen Aspekte dieses wichtigen Themas. Er zeigte auf, welche Gemüsesorten ursprünglich in der Region heimisch waren, welche im Laufe der Zeit hinzukamen, wie viele inzwischen verschwunden sind – und welche Folgen dieser Verlust für Natur, Ernährung und Kultur hat.

Nachdenklich stimmten viele Zuhörerinnen und Zuhörer die Ausführungen des Experten zur aktuellen Situation: das fortschreitende Sterben landwirtschaftlicher Betriebe, die wachsende Abhängigkeit Deutschlands von Gemüseimporten sowie die weltweite Marktmacht weniger Saatgutkonzerne, die zugleich vom Verkauf passender Pestizide profitieren. Mit dem Verlust traditioneller Sorten gehen zudem Farben, Formen und Geschmäcker verloren – ebenso wie wertvolles Wissen über Anbau und Nutzung. Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit unserer Ernährungssysteme gegenüber klimatischen Veränderungen.

Genau hier setzt die Saatgutaktion an und eröffnet konkrete Handlungsmöglichkeiten. Patrick Kaiser vereint als Sortenretter, Saatguterzeuger, Bildungsträger und Anbauexperte mehrere Rollen in einer Person. Wird sein Saatgut von vielen Menschen angebaut, entsteht eine lebendige Alternative zur industriellen Monokultur – und jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen.

Im Anschluss an den Vortrag trugen sich zahlreiche Gäste in den Info-Newsletter ein und nahmen verschiedenste Saatgutsorten mit nach Hause. In der kommenden Saison werden diese weit über Tettnang hinaus in privaten Gärten wachsen und zur Erhaltung regionaler Vielfalt beitragen.

 Info: Wer noch Saatgut für den Eigenanbau haben oder weitere Informationen erhalten möchte, kann sich jederzeit an die Tettnanger Anlaufstelle für Bürgerengagement wenden.